Gedanken von Heiko Fürst zu den US-Wahlen und wie er mit dem Ergebnis (besser) umgegangen ist:
„Nun ist es also tatsächlich passiert: Donald Trump ist erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Die Weltmacht USA wird somit in den nächsten Jahren angeführt von einem Rechtspopulisten, verurteilten Straftäter und notorischem Lügner. Von einem Menschen, der Empathie als Schwäche verachtet, der immer wieder offen rassistisch und sexistisch auftritt. Ich hatte ja befürchtet, dass sich in diesen herausfordernden Zeiten, in denen wir genau das Gegenteil bräuchten, das Laute, das Aggressive, das Trennende durchsetzen wird. Und nachdem sich diese Befürchtung nun erfüllt hat, belastete mich dieser Wahlausgang trotz meiner Vorahnung zunächst beträchtlich. Ich war fassungslos, schockiert, wütend und auch traurig! Doch wie bin ich persönlich mit diesen Gefühlen nach den US-Wahlen umgegangen? Wie habe ich es nach kurzer Zeit geschafft, aus meinem emotionalen Tief wieder herauszukommen?
Akzeptieren der Situation
Wenn wir gegen die Realität einer schwierigen Situation ankämpfen oder sie sogar verleugnen, erzeugt dies inneren Stress. Akzeptanz hingegen verringert den inneren Widerstand und hilft, die emotionalen und psychischen Energien besser zu kanalisieren. Sie bedeutet nicht, dass man die Situation gutheißen muss, sondern dass man die Realität anerkennt, wie sie ist, und auch bestmöglich annimmt.
Akzeptieren der Gefühle
Es ist normal, sich in belastenden Situationen traurig, wütend oder überwältigt zu fühlen. Solche Emotionen werden oft unterdrückt oder verurteilt. Es ist aber wichtig, sich selbst gegenüber Mitgefühl zu zeigen und in einer belastenden Situation auch negative Gefühle zuzulassen. Diese Akzeptanz hilft dabei, negative Gefühle auf konstruktive Weise zu verarbeiten, anstatt sie zu unterdrücken oder zu verdrängen.
Darüber sprechen
Gedanken und Gefühle mit Personen zu teilen, denen man vertraut, kann in einer belastenden Situation große Erleichterung verschaffen. Beim Austausch mit Familienmitgliedern, Freund:innen oder auch mit Kolleg:innen stellt man sehr oft fest, dass man die Situation nicht als einziger kritisch bewertet und erhält emotionale Unterstützung. Gespräche können gleichzeitig helfen, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen, neue Einsichten zu gewinnen und so besser mit der Situation klarzukommen.
Selbstfürsorge
Gerade in stressigen und emotional aufgeladenen Zeiten ist es wichtig, sich um sich selbst zu kümmern. Eine gute Balance zwischen Information, Austausch und Ruhe zu finden, kann dazu beitragen, dass man sich von negativen Gefühlen nicht zu sehr vereinnahmen lässt. Es ist deswegen auch sehr hilfreich, sich mit etwas abzulenken, das einem Freude bereitet: seinem Hobby nachgehen, Sport treiben, ein Buch lesen, Musik anhören oder eine Serie streamen. Das bietet dem Geist eine Pause und ermöglicht, Abstand von der belastenden Situation zu gewinnen.
Fokussierung auf die eigene Wirksamkeit
Oft fühlen wir uns in belastenden Situationen hilflos. Den Fokus auf Dinge zu richten, die wir tatsächlich beeinflussen können, hilft dabei, das Gefühl von Handlungsmacht und Sicherheit zurückzugewinnen. Es ist auch sinnvoll darüber nachzudenken, welche Fähigkeiten oder Strategien in der Vergangenheit gut geholfen haben, schwierige Zeiten zu überstehen. Diese bereits früher erfolgreich genutzten Ressourcen können eventuell hilfreich sein, um besser mit der aktuellen Belastung umzugehen.
Abschließend gilt es festzuhalten, dass jeder Mensch anders mit Herausforderungen umgeht und es nicht „die eine, richtige Art“ gibt, dies zu tun. Und wenn das Gefühl der Belastung zu groß wird oder zu lange andauert, ist es auch völlig in Ordnung, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Coach kann dabei helfen, Gedanken und Gefühle zu sortieren sowie dabei unterstützen, neue Bewältigungsmechanismen zu entwickeln."